Nach zweieinhalb Jahren komme ich nun zurück in dieses Projekt, das fünf Jahre lang meine ganze Energie auf sich gezogen hat. Es fühlt sich etwas seltsam an. Und richtig.

Mittlerweile ist mit dem Buchhandel ein kleines, aber stabiles geschäftliches Standbein entstanden. Auch in der Buchhaltung wurde aufgeräumt. Allerdings sind letztes Jahr auch die letzten angestellten Mitarbeiter*innen entlassen worden und insgesamt ist es eher ruhig geworden um Fairmondo.

Zeit, neuen Schwung in den Laden zu bringen. Die Vision steht weiterhin und die Notwendigkeit, die vorherrschende Wirtschaftsweise umzukrempeln, drängt mehr denn je. Gerade auch international ist Fairmondo heute als eines der ersten Beispiele der Platform-Coop Bewegung bekannt. Mit frischer Energie möchte ich nun alles dafür tun, dass aus diesem Beispiel ein Erfolgsbeispiel wird.

 

Wie soll der Neustart aussehen?

In den kommenden Monaten geht es vor allem um drei Dinge:

1. Voller Fokus auf den Buchhandel

Mit dem Buchhandel hat Fairmondo nun ein Geschäftsmodell, das viel einfacher ist, als die uferlose Herausforderung eines allgemeinen Online-Marktplatzes, mit der wir so lange gekämpft haben. Indem wir den Buchhandel ausbauen, können wir ein geschäftliches Fundament schaffen, auf dem später dann der weitere Ausbau der Marktplatz-Plattform fußen kann.

Jetzt ist es erstmal wichtig, die Einnahmen soweit zu steigern, dass ein angemessenes Team fair bezahlt werden kann. Dafür werden wir eine gezielte Marketingstrategie umsetzen, die unsere speziellen Stärken nutzt. Als ein kurzer Teaser:

Wir werden mit Autor*innen zusammenarbeiten, die ihre eigenen Bücher kommentieren und bewerben und im Gegenzug dafür noch einmal zusätzlich an den Erlösen ihrer Bücher beteiligt werden. Im nächsten Schritt werden wir auch lokale Buchhändler*innen und Verlage einbeziehen, uns ihre Schmerzpunkte anhören und geeignete Kooperationen ausarbeiten, um uns gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam den Bedrohungen der Riesenplattformen entgegenzutreten.

Kurz gesagt wird der Fokus vor allem darauf liegen, uns über hochwertigen „Content“ (Inhalte) zu positionieren. Fairmondo wird also zu einem Ort werden, wo man Leseempfehlungen zu Themen wie transformatives Wirtschaften und nachhaltiges und sinnreiches Leben findet, aber auch darüber hinaus.

Dabei ist es unsere Stärke, dass wir diese Themen glaubwürdig behandeln können. Durch unser Unternehmensmodell sind wir nicht auf Gewinnsteigerung als Selbstzweck ausgerichtet, sondern auf das Gedeihen einer faireren Wirtschaftsweise, in der wir Menschen und ein gesunder Planet im Mittelpunkt stehen.

Der Marktplatz wird weiterhin betrieben werden, aber bis wieder mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, werden wir seine Weiterentwicklung zurückstellen.

Auch das Abo-Programm wird bestehen bleiben, denn einige der aktuellen Ehrenamtlichen möchten sich gerne weiterhin darum kümmern.

 

2. Ein neues Team aufbauen

Das leere Büro in der Titelgrafik ist ein passendes Symbol für den aktuellen Zustand. Die Grundstruktur steht und hat Potenzial – aber dieses Potenzial wird im Moment kaum genutzt. Es fehlen ganz einfach die Leute, die das mit Motivation und Energie tun können.

Darum ist es ein entscheidender Schritt, ein neues Team aufzubauen. Selbstverständlich werden dazu auch die verbliebenen Teammitglieder gehören, die Fairmondo momentan neben ihren Hauptjobs am Leben halten.

Bis wir wieder feste Mitarbeiter*innen einstellen können, wird noch einige Zeit vergehen. Fairmondo trägt sich zwar im kleinen, aber die monatlichen Überschüsse sind noch nicht stabil genug für neue Gehälter. Das wollen wir so schnell wie möglich ändern. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie gut wir mit dem Ausbau des Buchhandels vorankommen.

Ein Team neu aufzubauen bietet auch neue Chancen. Gerade in diesem Bereich freue mich darauf, viel von dem umzusetzen, was wir in den mitunter anstrengenden Gründungsjahren gelernt haben. Dabei möchte ich gerne auch neue Methoden der Zusammenarbeit einbeziehen, die ich mir bei anderen progressiven Unternehmen angeschaut habe. Viele Prozesse müssen neu eingerichtet werden, und gerade das bringt die Chance, sie diesmal etwas ruhiger durchdacht und transparenter zu gestalten.

Auch unser Büro verändert sich: Im Fairmondo-Büro in Berlin entsteht nun ein Co-op-Co-Work-Space, in dem transformative Unternehmen, Organisationen und Selbstständige einen angenehmen Ort für konzentriertes Arbeiten finden und dort, wo es passt zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen können.

Kurz: Wir haben viel Platz im Büro und brauchen Verstärkung. Dafür haben wir zum Beispiel Praktikumsplätze ausgeschrieben. Aber auch wenn Du andere Ideen hast, wie Du bei uns mitarbeiten willst, sind wir für Vorschläge offen. Hier gibt es eine kleine Übersicht der dringendsten Themen

 

3. Wiederbelebung der Kommunikation

Für den Erfolg ist es entscheidend, von nun an wieder aktiv und transparent zu kommunizieren. Wir werden regelmäßig über unsere Fortschritte und auch über mögliche Rückschläge berichten. Wir werden wieder die wichtigsten Zahlen veröffentlichen, so klein und ernüchternd sie zunächst auch sein mögen. Und wir werden auch außen wieder Lärm machen, versuchen wieder in größere Medien zu gelangen und auch Menschen zu erreichen, die bisher noch nichts davon gehört haben, dass wir den Amazons da draußen nicht hilflos ausgeliefert sind.[EXPAND Mehr]Für den Erfolg ist es entscheidend, von nun an wieder aktiv und transparent zu kommunizieren. Wir werden regelmäßig über unsere Fortschritte und auch über mögliche Rückschläge berichten. Wir werden wieder die wichtigsten Zahlen veröffentlichen, so klein und ernüchternd sie zunächst auch sein mögen. Und wir werden auch außen wieder Lärm machen, versuchen wieder in größere Medien zu gelangen und auch Menschen zu erreichen, die bisher noch nichts davon gehört haben, dass wir den Amazons da draußen nicht hilflos ausgeliefert sind.

Es wird unter anderem wieder einen monatlichen Newsletter geben (hier geht es zur Anmeldung)

Auch innerhalb der Genossenschaft werden wir wieder intensiver kommunizieren (hier kannst Du Mitglied werden)

 

Wer Lust hat, beim Neustart mitzuhelfen, ist herzlich willkommen. Da es aktuell nur ein sehr kleines Budget gibt, muss die Kraft wie am Anfang des Projekts aus unserem Engagement kommen. Auch weiterhin erhalten Mitglieder für ihre eingebrachte Arbeitszeit dabei Anteilspunkte an unserer Genossenschaft.

Doch es gibt nun sehr viel mehr Grundlage als vor sieben Jahren. Wir haben eine laufende Website, ein schönes, voll eingerichtetes Büro und ein simpleres, bereits funktionierendes Geschäftsmodell, das problemlos skaliert werden kann. Und wir haben sehr viel gelernt.

Ich freue mich darauf, Fairmondo gemeinsam mit allen, die mithelfen wollen, endlich zu einem Unternehmen aufzubauen, das die Kraft hat, die Vision, wegen der so viele Menschen Zeit, Energie und Geld darein investiert haben, Realität werden zu lassen.

Denn wir haben heute die Chance, das Ruder noch herumzureißen. Dafür muss es erfolgreiche Beispiele geben, die auch dem Mainstream zeigen, dass es wirkliche Alternativen zu den bislang noch dominierenden Plattformen geben kann. Wenn es uns bei Fairmondo gelingt, die Kurve zum wirtschaftlichen Erfolg zu kriegen, können wir als Marktplatz auch andere sinnorientierte Unternehmen und Projekte beim Sprung in Richtung Mainstream unterstützen. Es liegt in unseren Händen, mit diesem Ziel vor Augen jetzt neu durchzustarten.