Wie und Warum wollen wir arbeiten? ist eine der Leitfragen des Work in Progess Kongresses, der am 13. und 14. März in Hamburg stattfindet. Referenten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik diskutieren aus ganz verschiedenen Perspektiven die Anforderungen an gute Arbeit und möchten allen Interessierten Impulse dafür liefern, das Arbeitsleben im Einklang mit den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Auch Fairnopoly Gründer und Geschäfstführer Felix wird am Freitag Nachmittag mit einem Vortrag zum Thema »Fairnopoly oder die Genossenschaft 2.0 – Modell für eine fairere Wirtschaft?« auf dem Kongress vertreten sein.

Natürlich beschäftigt die Frage nach dem Einklang von Arbeit und den eigenen Vorstellungen auch jede*n Einzelne*n von uns im Team. Wie in unserem Beitrag zur Budgetplanung zu sehen ist, kann Fairnopoly den Mitarbeiter*innen derzeit keine finanzielle Sicherheit bieten. Darüber hinaus, ob man persönlich bereit und in der Lage ist, trotzdem seine ganze Energie in Fairnopoly zu stecken, muss man sich auch fragen, inwiefern eine angemessene Bezahlung grundsätzlich zu einem fairen Unternehmen gehört. Wir haben uns deshalb Gedanken dazu gemacht, was gute Arbeit für uns bedeutet und welche Rolle Geld dabei spielt und ein paar Zitate für Euch gesammelt – die Antworten beinhalten gleichzeitig ein paar gute Gründe, warum wir gerne für Fairnopoly arbeiten.

 

bastian_blog„Gute Arbeit bedeutet für mein Verständnis: Sich selbst und seine Fähigkeiten immer wieder neu zu entdecken und sich weiter zu entwickeln und Verantwortung zu erfahren. Gute Arbeit empfinde ich als sinnvoll, wenn Sie mehr als ökonomische Wertschöpfung zum Ziel hat und vor allem auch einen sozialen und ökologischen Mehrwert schafft. In guter Arbeit sich zu entfalten kann dabei motivierender sein als ein überdurchschnittliches Gehalt. Für gute, sinnvolle Arbeit bin ich bereit zu investieren, also auch für einen bestimmten Zeitraum finanzielle Abstriche zu machen, da ich davon ausgehe, dass sich das Investment auszahlt – ob nun durch Erfahrungen, persönliche Reife oder Karma.“ (Bastian)

laura_schueppler_blog„Am besten lässt sich erklären, was gute Arbeit für mich bedeutet, wenn man das Wort Arbeit durch „Wirken“ ersetzt. Denn dann wird klar, dass es dabei nicht nur um Beschäftigungstherapie, Zeitvertreib oder Broterwerb geht. Sondern auch um die Ziele der Arbeit. Meine Lebenszeit ist begrenzt. Ich möchte sie nutzen, um zu wirken oder mit-zu-wirken (gemeinsam mit anderen zu wirken). Der idealistische Anspruch, mit dem Fairnopoly angetreten ist, entspricht für mich diesem Verständnis von Wirken. Das genossenschaftliche Modell und der Wunsch, ein Beispielunternehmen aufzubauen, hat transformatorischen Anspruch. Die Idee und das Konzept sind mutig und optimistisch, und senden positive Signale. Auf der anderen Seite ist diese „Yes, we can“ Mentalität aber auch verletzlich, da sie auf die Euphorie der Unterstützer (u.a. der Mitarbeiter) baut und ihren hohen Ansprüchen nur schwer gerecht werden kann. Die Realitätsprüfungen, denen sich Fairnopoly kontinuierlich unterzieht, sind ein wichtiges Lernfeld für Initiativen, die Wandel vorantreiben wollen. Zum Beispiel spielt in unserer Gesellschaft und Wirtschaft Broterwerb eine nicht zu leugnende Rolle. Dadurch wird dem alleinigen „Wirken“ als Ziel der Arbeit durch die gesellschaftlichen Umstände eine Grenze gesetzt. Mit einer Bezahlung zu arbeiten, über die ich meine Lebenshaltungskosten nicht decken kann, ist deswegen leider nur für eine begrenzte Zeit möglich.“ (Laura S.)

felix_blog„Ich glaube, dass die Art, wie wir Arbeit in unserer Wirtschaft bisher organisieren, sie viele Menschen als Last, Stress und notwendiges Übel empfinden lässt. Wenn man das dann mit aufwendiger Freizeit und Konsum kompensieren muss, ist das gut für das Wachstum und schlecht für die Menschen, die sich unter Druck tendenziell weiter von sich selbst entfremden. Mir scheint es erstrebenswert, Arbeit als wirkliche Lebenszeit zu gestalten, in der wir uns selbst näher kommen und Sinn finden.“ (Felix)

anna3_blog„Ein sehr wichtiger Aspekt von guter Arbeit ist für mich, dass sowohl ich als auch andere Mitarbeiter*innen in meinem Umfeld die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln. Dabei spielen beide Seiten eine Rolle dabei, das richtige Umfeld dafür zu haben und Eigeninitiative und Eigenverantwortung für den persönlichen beruflichen Werdegang zu übernehmen. Das heißt „gutes Arbeiten“ ist nicht passiv, sondern aktiv.“ (Anna)

olli_blog„Dadurch, dass sie einen mit Sinn erfüllt, zeigt gute Arbeit einem, dass Geld nicht alles ist – es ist vielmehr das große Ganze was stimmen muss, nämlich die Balance zwischen Leben und Arbeit. Gute Arbeit muss auch das restliche Leben berücksichtigen. Das fängt für mich bei Gesundheit und Familie an, geht über zu einer guten Auslastung durch die Beschäftigung, also nicht ausbrennend anstrengend aber auch nicht einschlafend schlaff und/oder zu routiniär, und mündet in meinen Augen darin, Zeit zu haben, beziehungsweise sich diese nehmen zu können. Natürlich spielt auch Geld eine wichtige Rolle, die sich wohl oder übel auch sehr vorrangig anstellt, um überhaupt erstmal einen Grundbedarf zum Leben decken zu können. Dieser gestaltet sich bei jeder*m individuell und hängt davon ab, was jede*r Einzelne für sich als „Leben“ definiert.“ (Olli)