In den letzten fünf Tagen hatte ich die Chance, an der Konferenz der International Co-operative Alliance (ICA – Internationaler Genossenschaftsbund) in Kapstadt teilzunehmen.

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Im Vorfeld hatte ich einige Sorgen, ob es wirklich verantwortungsvoll ist, in dieser wichtigen Phase nach Südafrika zu fliegen um meinen Urlaub mit der Konferenz zu verbinden. Aber da ich vollen Rückhalt vom restlichen Team bekommen habe und wir mittlerweile so stark aufgestellt sind, dass ich vollstes Vertrauen auf ein gutes Voranschreiten der Aktivitäten in Berlin habe, bin ich guter Dinge abgefahren. Schnell stellte sich zudem heraus, dass man von Kapstadt aus wunderbar am Crowdfundingtext feilen und an den Budgettabellen basteln kann.

Nun aber zur Konferenz: Obwohl ich tendenziell ein eher optimistischer Mensch bin, haben die Ergebnisse der Konferenz meine Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen.

Es war zum einen sehr erfreulich zu sehen, dass sich die ICA und die vielen Vertreter großer und kleiner Genossenschaften wirklich als eine Bewegung verstehen, die zum Umkrempeln unserer korrupten Wirtschaft beitragen wird. Und insbesondere, dass sie sich eine ehrgeizige Vision gesetzt haben, die man sich herausfordernder kaum hätte wünschen können:

Bis 2020 sollen Genossenschaften anerkannt sein als

  • führendes Model in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit
  • das von den Bürgen bevorzugte Modell
  • die am schnellsten wachsende Unternehmensform

Mehr dazu in der “Blaupause für eine Dekade der Genossenschaften” (pdf)

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Zum anderen hatte ich das Glück, viele wertvolle Kontakte für Fairnopoly knüpfen zu können. Fairnopoly hat nun gut vernetzte Freunde in mehr als fünfzehn Ländern, von Argentinien bis den USA. Viele von ihnen haben zugesagt, sich aktiv für den Aufbau von Fairnopoly Genossenschaften in ihren Ländern einzusetzen. In Südafrika haben sich bereits die ersten Mitglieder des Teams gefunden – und die Vertreterin des Ministeriums für Kleine und Mittelständische Unternehmen hat ihre Unterstützung zugesagt.

Generell wurde Fairnopoly von vielen Seiten als ein Beispiel für die benötigten innovativen Ansätze zur Verbreitung der Genossenschaftsidee begrüßt. Diverse Vorstände großer Genossenschaften und Verbände haben ihr Interesse bekundet. So konnte ich z.B. im Anschluss an die Konferenz einen Tee mit der Präsidentin und dem Generaldirektor der ICA trinken und sie haben zugesagt, uns über die Kommunikationskanäle der ICA zu promoten.

ica-greenMit Frau Pauline Green, Präsidentin der ICA

Auch für die kurzfristige Weiterentwicklung der Fairnopoly eG in Deutschland sind wertvolle Kontakte entstanden. Der Vorsitzende der britischen Phonecoop ist bereit, uns mit seinen über zwei Jahrzehnten Erfahrung im Genossenschaftsmanagement zu beraten. Zudem haben wir nun Kontakt zum Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband, der Genossenschaften mit insgesamt über 20 Millionen Mitgliedern verbindet.

Besonders gefreut hat mich die Offenheit und Menschlichkeit der Konferenzteilnehmer*innen, von denen viele “wichtige Posten” innehatten. Gerade mit vielen Teilnehmer*innen des “Youth Networks” (das immerhin Mitglieder bis 40 Jahre zulässt), konnte ich in den wenigen Tagen Freundschaft schließen.

Zu sehen, dass das Genossenschaftsmodell so viele gute Menschen zusammenbringt, die wirklich etwas bewegen wollen, war vielleicht das, was mir am meisten Rückenwind gegeben hat.

Ich hoffe, dass ich diesen Rückenwind auch nach Deutschland mitbringen kann. In den nächsten Tagen werde ich abtauchen um Kraft für die große Kampagne in diesem Winter zu schöpfen.

Ich freue mich darauf, mit neuer Energie wieder zu unserem Team dazuzustoßen. Wir sind dabei, an etwas wirklich Großem mitzuwirken. Und Fairnopoly kann auch auf internationaler Ebene zu einer Vorreiterin werden, die selbst frischen Wind in die Bewegung bringt.