In unserem heutigen Gastbeitrag schreibt Jens Klein von ETHIQUABLE Deutschland über fair gehandelten Kakao und die Hintergründe der neuen Fairtrade-Programmsiegel. Als Genossenschaft vertreibt ETHIQUABLE Lebensmittel, die von Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika nachhaltig angebaut werden. Das Sortiment wird derzeit bundesweit in mehr als 300 Geschäften verkauft und umfasst inzwischen etwa 50 Artikel, die allesamt fair gehandelt und ökologisch angebaut sind. Mehr über ETHIQUABLE erfahrt Ihr über die Homepage oder bei facebook .

ETHIQUABLE bezieht seinen Kakao unter anderem von der Kooperative FECCANO auf Haiti

ETHIQUABLE bezieht seinen Kakao unter anderem von der Kooperative FECCANO auf Haiti

Für unsere Sucht nach Billigpreisen zahlen andere die Zeche. Wenn Kaffee, Schokolade oder exotische Früchte zu Tiefpreisen im Handel landen, liegt dem meist ein ebenso einfaches wie ungerechtes Prinzip zugrunde: Der Preisdruck auf die schwächsten Glieder in der Lieferkette wird erhöht. Sprich: Der Lebensunterhalt von Kleinbauern, Plantagenarbeitern und ihren Familien wird beschnitten. Allein im Bereich des Kakaoanbaus sprechen wir von 40 bis 50 Millionen Menschen, denen in schlechten Zeiten häufig nichts anderes übrig bleibt, als ihre Produkte zu Preisen zu verkaufen, die nicht einmal die Produktionskosten abdecken.

Um eine Alternative zu diesen ungerechten Praktiken zu schaffen, ist vor rund 40 Jahren der Faire Handel entstanden. Den Produzenten wird ein Mindestpreis garantiert und die Möglichkeit der Vorfinanzierung der Ernte eingeräumt. Langfristige Handelsbeziehungen sollen für mehr Planungssicherheit und stetige Geschäfte sorgen. Zusätzlich zum garantierten Mindestpreis wird etwa für Kakao eine Fairtrade-Prämie in Höhe von 200 US-Dollar pro Tonne gezahlt. Damit können die Produzentenorganisationen Sozial-, Umwelt- oder Bildungsprojekte verwirklichen. Fairer Handel bedeutet aber auch, dass ausbeuterische Kinderarbeit sowie Sklavenarbeit verboten sind und Vereinigungs- und Gewerkschaftsfreiheit gewährleistet werden – was insbesondere für Plantagen extrem wichtig ist. Außerdem beziehen sich rund ein Drittel der Fairtrade-Kriterien ganz explizit auf den Schutz der Umwelt.

Auch wenn der Marktanteil von Fairtrade-zertifiziertem Kakao in Deutschland nach Schätzungen von TransFair im vergangenen Jahr nur bei etwa 0,2 Prozent gelegen hat, boomt Fairtrade insgesamt bei den Verbrauchern und zieht die Aufmerksamkeit der großen Konzerne auf sich. Inzwischen gibt es in Deutschland keine Handelskette mehr, die nicht auch das eine oder andere Fairtrade-Produkt unter einer Eigenmarke anbietet oder zumindest im Sortiment führt.

Der Versuch, den Markt für fair gehandelte Rohstoffe zu vergrößern, treibt mitunter allerdings streitbare Blüten: Mit den neuen Fairtrade-Programmen für Kakao, Zucker und Baumwolle soll die Beschaffung großer Unternehmen nachhaltiger gestaltet werden. Hersteller haben nun die Möglichkeit, auch Produkte zu zertifizieren, in denen nur eine Zutat aus fairem Handel stammt. Während also beispielsweise der Kakao unter Fairtrade-Bedingungen angebaut wurde, wird die Herkunft des Zuckers oder der verarbeiteten Nüsse im Schokoriegel außer Acht gelassen.

Weil das mit wirklich fairem Handel nicht viel zu tun hat, dürfen teilnehmende Unternehmen das klassische Fairtrade-Siegel nicht benutzen. Stattdessen gibt es für sie ein spezielles Programmsiegel, das sich farblich und zum Beispiel durch den Zusatz „Cocoa Program“ vom normalen Faitrade-Siegel unterscheidet. Eine Verwechslungsgefahr besteht trotzdem. Daher sollten die Verbraucher dringend offensiv über die neuen Programme aufgeklärt werden. Denn den Konzernen mit kleiner Fairtrade-Nische und den Unternehmen, die sich an den neuen Fairtrade-Programmen beteiligen, stehen Anbieter gegenüber, für die der Faire Handel kein Trend und kein Feigenblatt, sondern eine Überzeugungstat ist.

Die leckeren Produkte von Ethiquable gibt es natürlich auch auf unserem Marktplatz. Mit ein Bisschen Glück können außerdem alle, die dieses Wochenende den Heldenmarkt in München besuchen und am Fairnopoly Stand unser kleines Wissensquiz richtig beantworten, Schokolade oder Kaffee von Ethiquable gewinnen.