Es wird konkret: Fairmondo England (www.fairmondo.uk) startet in die geschlossene Beta-Phase, in der sich die ersten Nutzer*innen bereits registrieren können.

Von Beginn an war die Internationalierung von Fairmondo ein zentraler Teil des Konzepts. Das große Ziel, den marktbeherrschenden Playern im Online-Handel eine faire Alternative entgegenzustellen, legt nahe, ihnen auch auf internationaler Ebene gegenüberzutreten.

Allerdings sieht der Plan dafür etwas anders aus, als man es von klassischen multinationalen Konzernen kennt. Statt einer mächtigen Zentrale, die über ein Netz von Subunternehmen und Briefkastenfirmen herrscht, schaffen wir mit Fairmondo eine „multinationale Genossenschaft“. Sie funktioniert als eine Art Föderation von lokalen Genossenschaften, die jeweils autonom sind und sich im Eigentum der Nutzer*innen und Mitarbeiter*innen im jeweiligen Land befinden. Dabei besitzt nicht die Zentrale die lokalen Teile, sondern andersherum, die lokalen Genossenschaften besitzen gemeinsam die Zentrale.

Fairmondo Global simple

Neben der gemeinsamen Marke und der gemeinsamen Software bekennen sich die lokalen Genossenschaften zu gemeinsamen Grundprinzipien. Dazu gehört zum Beispiel die Selbstverpflichtung zu konsequenter Transparenz und zur Zahlung von Steuern dort, wo der Mehrwert geschaffen wird.

Gegenmodell zum multinationalen Konzern

Dies ist wiederum ein radikales Gegenmodell zum klassischen Multinationalen Konzern. Letztere sind in den meisten Fällen auf Intransparenz und die „Optimierung“ von Steuern und Regulierungen ausgerichtet. Wie der britische Experte für Steueroasen, Nicholas Shaxson, argumentiert, ist die Umgehung von Steuern und Regulierungen oft der Grund, weshalb multinationale Konzerne niedrigere Preise als kleine und mittelständische Unternehmen bieten können. Die oft beachtlichen Bürokratien und teils absurden Transportwege von Zwischenprodukten und Komponenten sind nicht unbedingt effizienter als die Produktion durch kleine Unternehmen vor Ort. Da aber weniger Steuern gezahlt und Regulierungen umgangen werden, kann das Produkt am Ende dennoch billiger angeboten werden. Die wirklichen Kosten sind ausgelagert – an die Gesellschaft.

Zu diesem Fehlmodell eine wirklich konsequente Alternative zu schaffen, war für mich die entscheidende Motivation für die Gründung von Fairmondo. Deshalb ging und geht es für mich beim Aufbau der Fairmondo eG hier in Deutschland um die Schaffung eines Prototyps für die Teile der multinationalen Genossenschaft. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir unser Projekt hier trotz aller Herausforderungen erfolgreich etablieren. Um das gewährleisten zu können, haben wir jetzt eine Kampagne gestartet.

Interesse aus immer mehr Ländern

Das erste Mal Fairmondo im Ausland vorgestellt hatte ich im November 2013, auf der Konferenz der International Cooperative Alliance im November 2013 in Kapstadt, Südafrika. Schon dort gab es einiges Interesse, sowohl von Vertretern größerer Genossenschaften, als auch von jungen Aktivisten der südafrikanischen Genossenschaftsszene. Nach einem Beitrag kam ein junger Mann in feinem Anzug auf mich zu, der sich als der Assistent des Wirtschaftsministers von Botswana vorstellte. Er gab mir seine Karte und sagte, der Minister würde gerne informiert werden, sobald wir das Modell nach Afrika bringen.
Natürlich waren wir zu dem Zeitpunkt noch nicht soweit, diese Chancen gleich aufzugreifen. Doch ich fand die Aussicht genial, dass Fairmondo ein Modell für die Kooperation zwischen afrikanischen und europäischen Genossenschaften auf Augenhöhe werden kann, als gemeinsame Eigentümer unserer zentralen Tochtergenossenschaft.

Im April 2015 verbrachte ich eine Woche in Nordengland bei den Gründern von Ethical Bay. Sie hatten bereits eine Genossenschaft gegründet und verfolgten nun sehr ähnliche Ziele wie wir mit Fairmondo. Ähnlich wie uns mit unserem alten Namen wurden auch sie von einem Markenrechtsstreit bedroht. Nach Ende der Woche hatten sie sich entschieden, in die Fairmondo-Familie miteinzusteigen. Auch unsere Generalversammlung stimmte mit überwältigender Mehrheit für einen Zusammenschluss.
Fairmondo UK hat nun die geschlossene Beta-Phase gestartet, in der sich erste Nutzer*innen bereits registrieren können. Der Launch ist für den Herbst dieses Jahres geplant.

Auch von anderer Seite wächst das Interesse. Die meisten Aktivist*innen der Sharing Economy haben gemerkt, dass Uber und Airbnb nicht das sind, was sie sich von der Bewegung erhofft haben. Im November letzten Jahres brachte diese Einsicht über 1500 Wissenschaftler*innen, Unternehmer*innen und Aktivist*innen bei der „Platform Cooperativism“ Konferenz in New York zusammen. Fairmondo war dort als eines der ersten Unternehmen weltweit, die die Vorstellung einer genossenschaftlich organsisierten Internetplattform bereits in die Praxis umsetzen, ein viel zitiertes Beispiel. Im Anschluss daran fand sich ausgerechnet in der San Fransisco und dem Silicon Valley ein Team von Gründern für den Aufbau von Fairmondo US.

Seitdem Fairmondo vermehrt auf internationelen Konferenzen und in englischsprachigen Blogs und Publikationen erwähnt wird, kommen mehr und mehr Anfragen von Interessierten aus weiteren Ländern. Um damit besser umgehen zu können, ist die Zusammenstellung eines „Baukastens“ geplant, in dem nützliche Tipps und Dokumente zum Aufbau einer Fairmondo Genossenschaft gesammelt sind.

Die nächsten Schritte

Es ist geplant, die gemeinsame Dachgenossenschaft zu gründen, sobald in mindestens fünf Ländern eigenständige Fairmondo-Genossenschaften ihren Marktplatz gestartet haben. Dann wird diese Dachgenossenschaft (Fairmondo Global) auch die Weiterentwicklung der gemeinsamen Software koordinieren. Doch zunächst müssen die lokalen Genossenschaften wirtschaftlich und organisatorisch auf stabilen Beinen stehen.

Entscheidend dafür ist, dass die Fairmondo eG in Deutschland genügend Kapazitäten hat, um den Prozess weiter zu begleiten. Bei vielen Aktivitäten sind unsere neuen Partner zumindest auf Feedback und Informationen von uns angewiesen.
Zugleich ist die Internationalisierung eine Chance für die Fairmondo eG, denn sobald die jungen Fairmondo-Pflänzchen in den anderen Ländern soweit sind, selbst Ressourcen zu sammeln, können sie zur gemeinsamen Entwicklung des Projekts beitragen.

Erfreulicherweise haben sich auch in Deutschland neue Chancen ergeben. Um all dies richtig nutzen zu können, haben wir jetzt eine Kampagne gestartet.