Vor zwei Wochen hatte ich die Ehre, mit einem kleinen Auftritt in der Sendung „Durch die Nacht mit…“ auf Arte zu erscheinen. In einer der ausgestrahlten Szenen saß ich mit meinem Apple Macbook am Schreibtisch und redete über unfaire Arbeitsbedingungen. Angesichts des Foxconn-Skandals, in dem die Arbeitsbedingungen bei Apple’s chinesischen Produzenten thematisiert wurden, war das wohl eher ungeschickt. Entsprechend gab es einige kritische Kommentare in den sozialen Medien…

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Das erste Poserfoto für Fairnopoly – mit meinem Macbook, seit November 2011 für Fairnopoly im Dauereinsatz

 

Generell finde ich es eine gute Sache, aus Fehlern Chancen zu machen. Und auch in diesem Fall bietet sich zumindest die Chance für eine konstruktive Diskussion. Zum Anstoß deshalb hier meine Sicht auf die Dinge:

Passenderweise war ich am Freitag Abend vor der Sendung bei einem Vortrag von Ralf Ruckus, Herausgeber des Buches iSlaves. Eine seiner Aussagen war: Der Foxconn-Skandal war gar kein Skandal. Er war nichts als ein kleiner Einblick in die ganz normale Praxis der meisten großen in China produzierenden Konzerne.

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Als ich mein schwarzes Macbook vor fünf Jahren bei Ebay ersteigerte, hatte ich dafür genau einen Grund: Ich fand es schön. Und ich war der Meinung, dass man bei einem Gegenstand, mit dem man so viel Zeit verbringt, für Schönheit extra zahlen kann. Mehr nachgedacht hatte ich nicht.

Vor einigen Monaten habe ich auf Facebook die Zahl der Sklaven gepostet, die für mich arbeiten. Es sind 33. Über das Tool Slaveryfootprint.org kann man berechnen, wie viel Sklavenarbeit im Durchschnitt in die Herstellung der Dinge geflossen ist, die man besitzt. Es ist ein schändlicher Fakt unserer Zeit, dass heute mehr Menschen als Sklaven arbeiten, als zu den Zeiten, in denen Sklaverei legal war.

Das alles zusammen führt in meinen Augen zum entscheidenden Punkt: So, wie wir unsere Wirtschaft gestaltet haben, produziert sie kontinuierlich untragbare Bedingungen für hunderte Millionen von Menschen. Jederzeit, mit jedem Einkauf, jeder Mahlzeit, jeder Autofahrt, machen wir dabei mit. Selbst wenn wir schlafen arbeitet unser Geld für uns – und gegen andere. Es sei denn vielleicht, wir haben uns die Mühe gemacht, uns eine faire Bank zu suchen.

Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass man einzelnen Unternehmen ihre unfaire Praxis durchgehen lassen sollte, wenn sie zufällig mal in die Aufmerksamkeit kommt. Kein Unternehmen sollte sich hinter der Ausrede verstecken können „so läuft Wirtschaft nunmal“.

In der Anschlussdikussion zum Vortrag von Ralf Ruckus meinte ein Kommentator, dass Apple die potentiellen Kosten der Nachfrageeinbußen aufgrund des Skandals gegen die potentiellen Kosten gerechnet hat, den Produzenten zu wechseln – und sich daraufhin gegen einen Wechsel entschieden hat. Wenn das zutrifft, wünsche ich den Apple-Strateg*innen, dass sie sich ordentlich verrechnet haben.

Fairer Handel ist für mich ein relativ neues Thema, mit dem ich mich erst seit dem Start von Fairnopoly mehr beschäftige. Glücklicherweise haben wir andere im Team, die sich damit sehr viel besser auskennen. Die Themen, die mich zur Gründung von Fairnopoly bewogen haben, waren Korruptionsbekämpfung und Demokratisierung in Postkonfliktstaaten. Und ich glaube immer noch, dass die untragbaren Zustände auf unserem Planeten strukturell bedingt sind. Verantwortungsvoller Konsum ist gut und wichtig. Aber alleine reicht er nicht aus. Es führt nichts daran vorbei: Wenn wir eine fairere Welt wollen, müssen wir die Strukturen unserer Wirtschaft ändern.

Und was ist nun mit den Äpfeln bei Fairnopoly?

Als wir im letzten November die ersten eigenen Laptops für Fairnopoly bezahlen konnten, kauften wir gebrauchte Dell-Laptops. Dell hatten wir gewählt, weil die Firma bei Rank a Brand als die noch nachhaltigste bewertet war. Was natürlich nicht heißt, die Laptops wären fair oder nachhaltig. Fair produzierte Laptops gibt es bisher schlichtweg nicht – in allen steckt Sklavenarbeit. Wir haben dann auf den Laptops als Betriebssystem Linux installiert, in diesem Fall meiner Ansicht nach der wichtigste Beitrag.

Bei der Einrichtung unseres neuen Büros versuchen wir, möglichst alles gebraucht zu kaufen. Nun haben wir gebrauchte Ikea-Tische für 12 Euro pro Stück im Büro stehen. Immerhin haben wir nichts direkt bei Ikea gekauft, aber da ist sicherlich noch viel Verbesserungspotential.

Uns Teammitgliedern werden wir so oder so auch zukünftig nicht vorschreiben, was wir privat zu kaufen haben. Manche von uns nutzen am liebsten ihr Macbook, auch ich werde meines weiter nutzen. Immerhin habe ich mir jetzt vorgenommen, auch darauf endlich Linux zu installieren.
Und ich habe mir vorgenommen, auch in Zukunft meinen Schreibtisch nicht schnell anzupassen, wenn die Presse oder das Fernsehen vorbeischaut. Dann lieber die Widersprüche direkt ansprechen. Denn es ist wie es ist: Unfair handele ich sowieso, jeden Tag.

Es wird einige Zeit brauchen, bis wir in einer Wirtschaft leben, in der das nicht mehr so ist. Zum Glück arbeiten wir daran, und zum Glück sind wir nicht damit nicht alleine!